Lokalkolorit

Stell dir vor, du gehst in die Stadt, und die Stadt ist nicht dort, sondern irgendwo anders. Alle Läden wirken geschlossen, stehen leer, und nur durch die blanken Fenster öffnet sich der Blick in die ungefüllten Gebäude.


Du stellst dich spontan vor eine der zahllosen Glasscheiben, und schaust in den Raum, der dahintersteckt. Jede Lampe im Inneren wurde mit Gewalt von der Decke gerissen. Es ist dunkel, obwohl es vor dem Fenster taghell bleibt. Und nur hinterrücks, an deinen eigenen Konturen vorbei, fällt etwas Licht ein und zeichnet die trüben Umrisse des Zimmers nach. Alle anderen Wände, links, rechts, und vor dir, sind fensterlos, frei, und matt-weiß gestrichen.

An der hinteren Ladenseite, dir gegenüber, läuft ein vergessenes Kabel als Trennlinie von der Decke, um sich in ziellosen Bögen und Windungen über den Boden zu streuen. Es liegt Schatten darum, und ein deutlich verblichener Abdruck von Rauminventar, das sich aufgelöst hat, bis zur Unkenntlichkeit.

Dieser Ort ist jetzt nur noch ein Überrest. Statisch, und längst von seinem einstigen Inhalt verlassen. Ein nackter Türrahmen im hinteren Teil, führt in einen Rückraum, der sich von außen nicht einsehen lässt. Davor verläuft, in einigem Abstand, eine längere Spur von Bleiche auf den Fliesen, dünn umrahmt von rostbraunen Linien. Dort könnte eine Theke gestanden haben, oder auch nicht.

 

(JS)